Ein Bericht kann eine Entwicklung verständlich erklären. Für eine eigene Auswertung brauche ich aber auch die Daten dahinter: Woher stammen sie? Was wurde gezählt? Kann ich die Berechnung nachvollziehen? Genau dort setzt Open Government Data, kurz OGD, an.
Vom veröffentlichten Bericht zur nutzbaren Datengrundlage
OGD sind offene Verwaltungsdaten, die zur Weiterverwendung bereitgestellt werden. Für mich müssen sie auffindbar, maschinenlesbar und verständlich beschrieben sein. Ein PDF kann informieren. Eine sauber dokumentierte Tabelle in einem offenen Format erleichtert zusätzlich den Vergleich, die Nachnutzung und die Kontrolle.
opendata.swiss ist dafür der gemeinsame Metadatenkatalog der Schweizer Behörden. Dort werden Datensätze beschrieben und mit den eigentlichen Datenquellen verknüpft. Die Daten bleiben bei den Anbietern. Ein Kanton muss dafür nicht zwingend ein eigenes Portal entwickeln.
Offenheit braucht Sorgfalt: Ich fordere die verantwortliche Veröffentlichung geeigneter Verwaltungsdaten, unter Beachtung von Datenschutz, Geheimhaltung und Nutzungsrechten. Persönliche Falldaten gehören nicht in einen öffentlichen Wirkungsmonitor.
Mein Vorstoss: OGD in Nidwalden verankern
Am 27. März 2024 habe ich mit Christina Amstutz als Mitunterzeichnerin die Kleine Anfrage 2024.NWLR.34 zur Open-Government-Data-Strategie eingereicht. Mein Anliegen: OGD in der Digitalisierung des Kantons verankern und konkrete Schritte für die Veröffentlichung nutzbarer Verwaltungsdaten klären.
Mich interessierten dabei drei Fragen: Wird OGD in die Roadmap aufgenommen? Welche Massnahmen sind vorgesehen? Und wann können bisher als PDF publizierte Daten maschinenlesbar zugänglich werden?
Die Antwort der Regierung: vorgesehen, aber etappenweise
In ihrer Antwort vom 14. Mai 2024, RRB Nr. 302 bestätigte die Regierung OGD als Projekt Nr. 20 der Roadmap mit dem Umsetzungsfenster 2027–2028. Für das erste Quartal 2025 kündigte sie ein Vorprojekt an. Weitere Schritte sollten nach Prüfung der Ergebnisse und in Abstimmung mit Obwalden und den Gemeinden beschlossen werden.
Einen verbindlichen Termin, ab dem die angesprochenen PDF-Daten auf opendata.swiss maschinenlesbar verfügbar sein würden, nannte die Antwort nicht. Das Geschäft ist als beantwortet geführt. Damit ist die Kleine Anfrage abgeschlossen, nicht die Umsetzung einer OGD-Strategie nachgewiesen.
Wo stehen wir heute?
Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen · Stand 25. Oktober 2026
Wir beginnen nicht bei null. Auf opendata.swiss sind beispielsweise vom Bundesamt für Statistik bereitgestellte Daten zu Nidwalden auffindbar, etwa zu Haushalten und Familien. Das belegt ein Datenangebot über den Kanton, für sich allein aber keine kantonsweite OGD-Publikationspraxis.
Auch bei Geodaten gibt es konkrete Fortschritte: Die GIS Daten AG meldete am 18. Juni 2025 öffentliche WMS-Dienste für Nidwalden und Obwalden. Diese ermöglichen den standardisierten Zugriff auf Karteninformationen. Welche Weiterverwendung erlaubt ist, richtet sich nach den jeweiligen Nutzungsbestimmungen.
Abschluss des angekündigten OGD-Vorprojekts: Nicht verifiziert. In den recherchierten öffentlichen Unterlagen konnte ich dessen Abschluss und Ergebnisse nicht belastbar belegen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass intern nichts geschehen ist. Für eine überprüfbare Standortbestimmung braucht es einen öffentlich nachvollziehbaren Projektstatus.
Meine Einschätzung: Die vorhandenen Angebote sind eine Grundlage. Entscheidend ist nun, daraus eine verlässliche Praxis über die Fachbereiche hinweg zu entwickeln. Die Planung für 2027–2028 beschreibt einen Weg; an seiner Umsetzung und am konkreten Nutzen will ich ihn messen.
Mein Ansatz: klein anfangen, verlässlich veröffentlichen
Ich würde zuerst Datensätze priorisieren, die häufig nachgefragt werden und einen klaren öffentlichen Nutzen haben. Dazu gehören für mich aggregierte Angaben zu Finanzen, Bevölkerung oder staatlichen Leistungen. Gemeinsam mit den Fachstellen wären Schutzbedarf, Aufwand und Nutzen zu prüfen.
Für jeden veröffentlichten Datensatz braucht es eine zuständige Stelle, verständliche Definitionen, klare Nutzungsbedingungen und einen Aktualisierungsrhythmus. Bestehende Infrastruktur wie opendata.swiss sollte genutzt werden. Qualität, Pflege und Datenschutz müssen im Mitteleinsatz mitgedacht werden.
Meine Wirkungsmonitore zeigen, wozu solche Grundlagen dienen können: Entwicklungen sichtbar machen, Fragen präzisieren und politische Aussagen überprüfen. Offen zugängliche Daten machen eine Meinung nicht automatisch richtig. Sie machen sie besser überprüfbar. Genau darin liegt für mich ihr demokratischer Wert.
