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Gedanken

Freiheit braucht Pflege: Was der neue Avenir-Suisse-Freiheitsindex für Nidwalden bedeutet

2025

Freiheit braucht Pflege: Was der neue Avenir-Suisse-Freiheitsindex für Nidwalden bedeutet

Der jährlich erscheinende Avenir-Suisse-Freiheitsindex ist mehr als eine Rangliste. Er ist ein Spiegelbild dafür, wie Kantone ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gestalten – und wie viel Freiheit der Staat seinen Bürgerinnen und Bürgern zugesteht oder vorenthält. Der neueste Index 2025 zeigt erneut: Freiheit ist kein Naturzustand. Sie entsteht dort, wo staatliche Regulierung zurücktritt und Verantwortung, Vielfalt und Eigeninitiative Raum bekommen.

Kantone wie der Aargau oder Appenzell Ausserrhoden führen das Ranking an – weil sie konsequent auf liberale Prinzipien setzen: geringe Regulierungslast, offene Märkte, flexible gesellschaftliche Rahmenbedingungen und staatliche Zurückhaltung. Der Index zeigt damit klar: Freiheit ist ein Standortfaktor – und sie zahlt sich aus.

Wo steht Nidwalden – und wie hat es sich entwickelt?

Über die letzten 20 Jahre hat Nidwalden an verschiedenen Stellen Reformen umgesetzt, die wirtschaftliche Freiheit fördern: solide Kantonsfinanzen, eine konkurrenzfähige Steuerbasis und eine grundsätzlich effiziente Verwaltung. Diese Fortschritte sind spürbar – auch im Freiheitsindex.

Doch gleichzeitig zeigt sich ein Muster: Während wirtschaftliche Indikatoren relativ stabil sind, besteht bei den gesellschaftlichen Freiheiten weiterhin ein deutlicher Nachholbedarf. Dazu gehören Themen wie Ladenöffnungszeiten, Baubewilligungsverfahren, weltanschauliche Neutralität – und eben auch staatlich verordnete Veranstaltungsverbote.

Diese Ungleichgewichte sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis politischer Entscheidungen, die Sicherheit und Tradition oft über Selbstbestimmung und Wahlfreiheit stellen. Nidwalden hat sich entwickelt – aber nicht mit derselben Dynamik wie die freiesten Kantone der Schweiz.

Reality-Check: Die Motion zur Abschaffung des Tanzverbots

Ein aktuelles Beispiel macht diesen Befund sichtbar: Die Motion Odermatt/Blättler fordert die Abschaffung des Veranstaltungs- bzw. Tanzverbots an hohen Feiertagen in Nidwalden. Eine Regelung, die aus einer Zeit stammt, in der staatliche und religiöse Normen wesentlich enger miteinander verwoben waren als heute.

Der Avenir-Suisse-Index bewertet solche Verbote klar als Freiheitsreduktion – und zwar in zweierlei Hinsicht:
- Individueller Freiraum: Bürgerinnen und Bürger sollen selbst entscheiden können, wie sie Feiertage gestalten.
- Wirtschaftliche Freiheit: Gastronomie, Kulturveranstalter und Vereine sollen ohne paternalistische Verbote planen dürfen.

Der Regierungsrat und die Landratskommission lehnten die Motion ab – mit Verweis auf Tradition, gesellschaftliche Ruhe und den Schutz christlicher Feiertage. Doch diese Argumente greifen zu kurz. Nidwalden ist vielfältiger geworden, kulturell wie demografisch. Ein staatlich verordnetes Verbot, das ausschliesslich religiös begründet ist, wird diesem gesellschaftlichen Wandel nicht mehr gerecht.

Zehn Kantone kennen heute gar kein solches Verbot. Und sie funktionieren – ohne Einbussen bei Ruhe, Ordnung oder Zusammenhalt.

Der Reality-Check zeigt: Hier liegt ungenutztes Freiheitspotenzial.

Was bedeutet das für ein liberales Nidwalden?

Freiheit ist kein Selbstverständnis. Sie wird dort zurückgedrängt, wo der Staat festschreibt, wie Feiertage „richtig“ begangen werden sollen, wo er Veranstaltungen verbietet oder wo einzelne Weltanschauungen privilegiert werden. Für eine moderne, offene Gesellschaft braucht Nidwalden drei Dinge:

1. Weltanschauliche Neutralität stärken
Der Staat soll Rahmenbedingungen setzen – aber keine kulturellen Lebensentwürfe definieren. Feiertagsverbote sind mit einem liberalen Grundverständnis kaum vereinbar.

2. Gesellschaftliche Freiheit ausbauen
Nicht nur Steuern sind wichtig:
Auch Kultur, Vereine, Gastronomie und das soziale Miteinander brauchen Freiräume statt Einschränkungen.

3. Mut zur Modernisierung
Weniger Verbote, klare Regeln, mehr Eigenverantwortung – das macht Nidwalden attraktiv für Familien, Fachkräfte und Unternehmen.

Schlusswort

Der Freiheitsindex 2025 zeigt: Nidwalden steht nicht schlecht da, aber wir schöpfen unser Potenzial nicht aus. Freiheit ist kein Luxus, sondern die Grundlage einer lebendigen Demokratie und einer erfolgreichen Wirtschaft.

Die Motion zur Abschaffung des Tanzverbots war ein kleiner Schritt – aber symbolisch ein wichtiger. Sie zeigt, wo wir hinmüssen: hin zu einem Kanton, der seinen Bürgerinnen und Bürgern vertraut, der Vielfalt zulässt und der Freiheit nicht verwaltet, sondern ermöglicht.

Ein liberales Nidwalden ist kein Wunschbild. Es ist ein realistischer, notwendiger und erreichbarer Weg – wenn wir den Mut haben, überholte Regulierungen hinter uns zu lassen und neue Freiräume zu schaffen.

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